Betriebliches Gesundheitsmanagement wird in der Immobilienwirtschaft zum strategischen Erfolgsfaktor.
Der Alltag in der Immobilienwirtschaft ist anspruchsvoll – das gilt für den Handwerker auf der Baustelle genauso wie für die Sachbearbeiterin im Bestandsmanagement oder den Kundenbetreuer im Außendienst. Körperliche Belastungen durch Heben, Tragen und Montieren treffen auf wachsenden Druck durch komplexe rechtliche Rahmenbedingungen, digitale Dauererreichbarkeit und eine zunehmend konfliktreiche Mieterkommunikation. Die Folgen sind nicht abstrakt: steigende Krankenstände, längere Ausfallzeiten und ein wachsender Druck auf Führungskräfte und Personalverantwortliche. Betriebliches Gesundheitsmanagement – kurz BGM – ist in diesem Umfeld längst keine Kürleistung mehr, sondern ein strategisches Muss.
Auch wir bei Effenzio Immobilienentwicklung GmbH sind überzeugt: Wer im Immobilienbereich langfristig erfolgreich sein will, braucht nicht nur solide Objekte – sondern auch ein gesundes, motiviertes Team. Deshalb schauen wir uns an, wie führende Unternehmen der Branche BGM in der Praxis umsetzen und was sich daraus lernen lässt.
Die Gewoba aus Bremen zeigt, wie ein strategisch ausgerichtetes BGM konkret aussehen kann. Seit 2014 bietet das Unternehmen jährlich wechselnde Gesundheitsprogramme an, die sich an den tatsächlichen Bedarfen der Mitarbeitenden orientieren. Die Basis dafür bildet eine regelmäßige unternehmensweite Gesundheitsbefragung. „Die Basis dafür bildet eine regelmäßige unternehmensweite Gesundheitsbefragung, ein wesentlicher Erfolgsfaktor für das BGM“, erklärt Andrea Wiskandt, Referentin für das BGM und Leiterin des Arbeitskreises Gesundheit bei der Gewoba.
Besonders gefragt sind laut Wiskandt Angebote rund um Stressbewältigung, Teamgesundheit, Immunsystem, Ernährung und Schlaf. Im Jahr 2025 lag der Schwerpunkt zudem auf Untersuchungen und Screenings zur Früherkennung gesundheitlicher Risiken. Das Ergebnis ist beeindruckend: Insgesamt wurden 137 Maßnahmen mit 2.168 Teilnehmenden durchgeführt – fast alle waren ausgebucht, Zusatztermine mussten organisiert werden. In mehreren Fällen führten Verdachtsdiagnosen zu weiterführenden medizinischen Abklärungen, die dank frühzeitiger Erkennung alle einen guten Ausgang fanden.
Der Blick in die Branche zeigt: BGM wird in Immobilienunternehmen sehr unterschiedlich gestaltet – aber konsequent gelebt. Bei der Aroundtown ist betriebliches Gesundheitsmanagement fest in der HR-Abteilung verankert. Kostenfreie Impfungen, ein hauseigenes Fitnessstudio am Berliner Hauptsitz sowie eine Corporate-Wellbeing-Plattform für alle weiteren Standorte machen Gesundheitsangebote niedrigschwellig zugänglich. Ein besonderer Fokus liegt auf mentaler Gesundheit und Work-Life-Balance – Führungskräfte sind ausdrücklich dazu angehalten, die Balance ihrer Mitarbeitenden aktiv zu berücksichtigen.
Vonovia denkt BGM konsequent inklusiv: Ob im Handwerk, im Außendienst oder in der Verwaltung – alle Mitarbeitenden profitieren von jährlichen Vorsorgeuntersuchungen, ergonomischen Arbeitsplätzen und umfangreichen Fitness-, Online- und Achtsamkeitsangeboten. Besonders hervorzuheben ist der Blick über den Arbeitsplatz hinaus: Familienservice, ein Employee Assistance Program und gesunde Kantinenangebote begleiten Mitarbeitende durch alle Lebensphasen.
Die Nassauische Heimstätte/Wohnstadt hat Gesundheit seit 2011 verbindlich in einer Gesamtbetriebsvereinbarung verankert. Das BGM wird über feste Gremien gesteuert und reicht von Bewegungs- und Entspannungspausen über Gesundheitskurse bis zu regelmäßigen Gesundheitstagen. Gesundheitsbeauftragte Ricarda Schwingen bringt den Anspruch auf den Punkt: „Prävention soll sich nahtlos in den Arbeitsalltag integrieren lassen – getragen von Geschäftsführung und Betriebspartnern.“
Die Saga geht einen Schritt weiter in Richtung umfassender Absicherung: Eine betriebliche Krankenzusatzversicherung, eine Unfallversicherung auch für private Risiken, Jobrad-Leasing sowie ein breites internes Weiterbildungsangebot zu Resilienz, Ergonomie, Ernährung, Pflege und Konfliktmanagement verbinden Prävention, soziale Verantwortung und persönliche Entwicklung in einem stimmigen Gesamtkonzept.
Ein interessanter Blick über den Tellerrand zeigt: Nachhaltiges Gesundheitsmanagement hat immer auch eine kulturelle Dimension. Japan hat mit Karoshi sogar einen eigenen Begriff für Tod durch Überarbeitung geprägt – und steht gleichzeitig für eine der höchsten Lebenserwartungen der Welt. Auf der Insel Okinawa leben mehr als 900 der rund 1,3 Millionen Einwohner 100 Jahre und älter. Was macht den Unterschied? Maßvolle Ernährung, starker sozialer Zusammenhalt, Wertschätzung älterer Menschen und ein klares Lebensziel – auf Okinawa bekannt als Ikigai.
Übertragen auf Unternehmen bedeutet das: Nachhaltige Gesundheitswirkung entsteht dort, wo Führung Sinn vermittelt, soziale Bindung stärkt und kontinuierliche Verbesserung als Alltagshaltung gelebt wird – nicht als zeitlich begrenztes Projekt. In Schweden wiederum ist die sogenannte Fika, die feste Kaffeepause im Arbeitsalltag, ein unterschätzter Erfolgsfaktor. Sie steht nicht für Koffein, sondern für bewusste Unterbrechung, soziale Begegnung und Abstand vom Leistungsdruck. Regelmäßige Pausen sind dort selbstverständlich, stärken den Zusammenhalt und wirken präventiv gegen Stress.
Die Immobilienwirtschaft trägt Verantwortung – für Gebäude, für Mieter und für Städte. Wer täglich Immobilien baut, instand hält und verwaltet, prägt das Leben von Millionen Menschen. ESG glaubwürdig umzusetzen bedeutet deshalb auch, diese Verantwortung im eigenen Unternehmen ernst zu nehmen. Betriebliches Gesundheitsmanagement ist keine nice-to-have Zusatzleistung, sondern gelebte soziale Nachhaltigkeit – und damit ein echter Wettbewerbsvorteil im Kampf um qualifizierte Fachkräfte.
Der demografische Wandel verschärft diesen Anspruch: Viele Wohnungs- und Immobilienunternehmen verfügen über eine alternde Belegschaft, während qualifizierter Nachwuchs immer schwerer zu gewinnen ist. Wer als Arbeitgeber Gesundheit, Sinn und Zusammenhalt aktiv fördert, sichert nicht nur die Leistungsfähigkeit seiner Mitarbeitenden – sondern auch die eigene Zukunftsfähigkeit.
Für Unternehmen in der Immobilienbranche lässt sich daraus eine klare Botschaft ableiten: Kompetenz trifft Klarheit auch beim Thema Mitarbeitergesundheit. Wer BGM strategisch verankert, niedrigschwellig gestaltet und kulturell ernst nimmt, schafft die Grundlage für langfristigen Erfolg – schnell, sicher, stressfrei für alle Beteiligten.
Was ist betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) und warum ist es für Immobilienunternehmen relevant?
BGM umfasst alle strategischen Maßnahmen, mit denen ein Unternehmen die Gesundheit seiner Mitarbeitenden fördert und erhält. In der Immobilienwirtschaft ist es besonders relevant, weil Beschäftigte sowohl körperlichen Belastungen (z. B. im technischen Service) als auch psychischen Anforderungen (z. B. durch komplexe Mieterkommunikation oder mobile Arbeit) ausgesetzt sind.
Welche BGM-Maßnahmen sind in der Praxis besonders wirksam?
Wirksame Maßnahmen reichen von Screenings zur Früherkennung gesundheitlicher Risiken über Angebote zur Stressbewältigung, Ergonomie und Ernährung bis hin zu Employee Assistance Programs und betrieblichen Krankenversicherungen. Entscheidend ist, dass die Angebote niedrigschwellig zugänglich sind und sich am tatsächlichen Bedarf der Mitarbeitenden orientieren.
Wie lässt sich der Erfolg von BGM-Maßnahmen messen?
Erfolg lässt sich unter anderem an der Teilnehmerzahl, der Auslastung der Angebote und an sinkenden Krankenständen ablesen. Die Gewoba beispielsweise führte 2025 insgesamt 137 Maßnahmen mit 2.168 Teilnehmenden durch – fast alle waren ausgebucht.
Welche Rolle spielt BGM im Kontext von ESG?
BGM ist ein zentraler Baustein des „S“ (Social) in ESG-Strategien. Immobilienunternehmen, die Gesundheit und Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden aktiv fördern, demonstrieren gelebte soziale Nachhaltigkeit – und stärken damit ihre Glaubwürdigkeit als verantwortungsvoller Arbeitgeber und Marktteilnehmer.
Was können Immobilienunternehmen von internationalen Beispielen wie Japan oder Schweden lernen?
Nachhaltige Gesundheitswirkung entsteht nicht allein durch einzelne Maßnahmen, sondern durch eine Unternehmenskultur, die Sinn, soziale Bindung und Erholung systematisch verankert. Schwedische Konzepte wie die feste Kaffeepause (Fika) oder japanische Ansätze wie Ikigai zeigen, dass kulturelle Routinen oft wirkungsvoller sind als aufwendige Programme.
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